Delphi-Konsens zur Genersatztherapie bei SMA – Teil II: Von der Evidenz zur Praxis – Empfehlungen zu Überwachung und Nebenwirkungsmanagement
Nach der systematischen Evidenzaufbereitung in Teil I (publiziert 11.2025) liefert diese zweite Publikation unter Beteiligung des INTEGRATE-ATMP-Konsortiums ein konkretes, direkt anwendbares Praxis-Tool für die Genersatztherapie mit Onasemnogen-Abeparvovec (OA) bei spinaler Muskelatrophie (SMA) in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Grundlage bildet ein strukturierter Delphi-Prozess mit Vertreter:innen aller 31 neuromuskulären Zentren der D-A-CH-Region, nationalen Patientenorganisationen sowie SMA Europe.
Im Rahmen des Konsensverfahrens wurden 12 Statements zu Diagnostik, Sicherheitsüberwachung und Nebenwirkungsmanagement formuliert – alle mit über 95% Zustimmung. Mit 100% Konsens verabschiedet wurden zudem zwei zentrale Werkzeuge für die klinische Praxis: ein strukturierter Behandlungsplan für die Prä-, stationäre und Nachsorgephase sowie ein Algorithmus zum Management von Transaminasenanstiegen – einer der bedeutendsten möglichen Komplikationen, für die es bislang keine kontrollierten Interventionsstudien gab. Ergänzt werden klare Handlungsanweisungen bei Verdacht auf thrombotische Mikroangiopathie (TMA) sowie erstmals auch Empfehlungen zur hämophagozytischen Lymphohistiozytose (HLH) als neu beschriebene, seltene Komplikation.
Besonders praxisrelevant sind zudem zwei Empfehlungen zum Vorgehen nach positivem Neugeborenenscreening, inklusive einer differenzierten Handlungsanweisung zur Wahl der Bridging-Therapie (Nusinersen vs. Risdiplam) bei Hochrisiko-Konstellationen – ein Thema mit wachsender Relevanz angesichts der zunehmenden Aufnahme von SMA in nationale Screening-Programme. Die empfohlene strukturierte Nachsorge über mindestens 15 Jahre berücksichtigt zudem Langzeit-Sicherheitsaspekte wie das theoretische Risiko einer AAV-Vektor-Integration.
Die Empfehlungen dienen bereits als Grundlage für nationale Qualitätssicherungsrichtlinien zur Anwendung von OA in Deutschland und unterstreichen erneut das Potenzial der Delphi-Methodik als Blaupause für künftige Zulassungsprozesse weiterer ATMPs – über neuromuskuläre Erkrankungen hinaus, etwa bei CAR-T-Zelltherapien.
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